Webers Ramar

Hinterglasmalerei

Der Glasmaler, Holzschnitt von 1568

Maria mit dem Kinde, Anfang 19. Jahrh.

Die gute Hirtin. Spanien, ca 1880.

Maria Krönung

Raimundsreut um 1800

Allerheiligen, Wassily Kandinsky

KURSE IN HINTERGLASMALEREI

Nachdem ich viele Jahre diesem Hobby in meiner Freizeit nachging und im Freundes- und Bekanntenkreis grosses Intresse hervor rief, werde ich ab Herbst 2011 kurzfristige Wochenendkurse abhalten.

Diese finden in Hamburg und, bei ausreichender Teilnehmerzahl, als Sommerkurse an der Schwedischen Westküste (nördlich von Göteborg) statt. Hier sind Kurse über 4 Tage in der Planung. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Das Malmaterial besteht aus sowohl selbstgefertigten Aquarellfarben sowie hochqualitativen Tubenölfarben welche mit verträglichen Medien ausgedünnt werden. Verwendung von Trocknungsbeschleuniger (Sikkativen) kann vorkommen. Übungsmaterial wie Farben, Glas und zwei einfache Rahmen plus aller anderen Hilfsmittel sind in der kursusgebühr enthalten. Teilnehmerzahl stark begrenzt, 6-8 Personen.

Während des Kurses wird vom Kursusleiter am Rande eine Vergoldung mit echtem Blattgold demonstriert weil jeder Hinterglaskursus mit 3 tätiger Pause einen Vergolderkursus zur Folge hat. Bei Buchung beider Kurse gibt es Preisnachlass.

Für Termine und alle anderen Einzelheiten mailen Sie bitte direkt an: info@webersramar.se


GESCHICHTE DER HINTERGLASMALEREI

Wie der Name Hinterglasmalerei sagt, sind die -bilder auf die Rückseite einer Glasscheibe gemalt, nicht zu verwechseln mit Glasbildern, deren Farben transparent sind und in Fenster gehängt werden. Dann gibt es Glasbilder, welche Kirchenfenster schmücken. Auch hier, wie bei letztlich genannten, dient das Tagesdurchlicht als Lichtquelle. Die Blütezeit der Hinterglasmalerei fand etwa zwischen 1650 bis 1850 statt, hatte aber ihren Ursprung in der Antike in sowohl Zentraleuropa wie auch Asien.

Die grösste Verbreitung hatten diese Bilder in der Alpenregion: von Rumänien im Osten bis Frankreich im Westen, von Frankfurt im Norden bis Palermo im Süden. Es waren also hauptsächlich katolische Länder wo Hinterglasbilder verbreitet waren.


STÄDTE

Man muss zwischen zwei Arten von Hinterglasbilder unterscheiden, nämlich den sogenannten „malerhandwerklichen“ sowie den „hüttengewerblichen“. Die Bilder der ersten Kategorie kamen häufig aus Städten wie Augsburg, Nürnberg, Murnau und Zürich.

Diese Bilder sind von besonders guter Qualität und wurden von ausgebildeten Künstlern gemalt. Deutlichster Unterschied beider Sorten ist, dass man bei den Erstgenannten auf Konturenzeichnungen verzichten konnte. Als Bildmotiv wählte man oft Allegorien, Portraits oder auch Hirtenbilder.


PROVINZ

Das was man als andere Kategorie von Hinterglasbilder bezeichnen könnte, ist in der Technik sehr viel einfacher aber um ein vielfaches charmiger in all ihrer Anspruchslosigkeit und Farbenpracht. Kupferstiche, welche man grob vereinfachte, dienten als Malvorlage und die Farbwahl kennzeichnete oft die Provenienz.

Die Malerwerkstätten waren fast ausschliesslich Familienbetriebe, die oft auch Landwirtschaft betrieben. Praktisch war es in der Nähe einer Glashütte zu arbeiten, weil bald auch Tischler für die Bilderleisten-Herstellung hinzukamen. Praktisch war es dort auch, weil man nicht zerbrechliches Glas transportieren musste. Die gerahmten Bilder wurden von sogenannten Hausierern (Kraxenträger) zum Verkauf zu Wochenmärkten getragen und fanden dort grosses Interesse bei der Bevölkerung.


AUFSTIEG UND NIEDERGANG

Die Nachfrage nach Hinterglasbildern wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts so gross, dass selbst kleinste Familienbetriebe nach Möglichkeiten suchten ihre Produktion zu rationalisieren. Jetzt schreiben wir Mitte 19. Jahrhundert und der Betrieb welcher dabei am erfolgreichsten war, hatte einen Mann namens Verderber an seiner Spitze. Die Qualität sank durch grösstmögliche Vereinfachung, sodass das Interesse an Hinterglasbilder rapide sank.

Gleichzeitig war das Druckhandwerk soweit fortgeschritten, dass Reproduktionen von grossformatigen Bildern, Öldrucken, zu erschwinglichen Preisen gekauft werden konnten. Ende des 19. Jahrhunderts hörten die meisten Betriebe mit Hinterglasmalerei auf und um die Jahrhundertwende gab es kaum noch Hinterglasmaler.


WIEDERENTDECKUNG

Anfang vorigen Jahrhunderts jedoch entdeckte Wassily Kandinsky und mit ihm der Rest der „Blaue Reiter“-Gruppe in Süddeutschland einige erhaltene Hinterglasbilder und begeisterten sich für deren Farb- und Formsprache. Die Mitglieder dieser Gruppe sammelten nicht nur diese Bilder, sondern malten selber auch solche, wenn sie sich regelmässig in Murnau am Staffelsee trafen, wo Gabriele Münter ihr „Russenhaus“ mit Kandinsky bewohnte. Einen Teil dieser Bilder kann man heute im Lechbachhaus-Museum in München sehen.


TECHNIK

Es ist nicht so schwer sich vorzustellen, wie der Aufbau eines Hinterglasbildes entsteht: Bei einem Porträt z.B. malt man, die Malvorlage (Riss) unterm Glas, erst Nase, Augen, Mund, Ohren usw. zuerst, dann Kleiderkonturen bis man zuletzt den Hintergrund legt. Es ist also genau umgekehrt der gewöhnlichen Malweise mit einer wesentlichen Erschwerniss: Korrekturen am Bildvordergrund sind nicht mehr möglich!

Konturen malt man mit (selbsthergestellten) Wasserfarben, die dann mit Ölfarben ausgemalt werden. Gewöhnliche Ölfarben haben aber einen erheblichen Nachteil: Hersteller von Tubenfarben setzen den Pigmenten einen zu grossen Leinölteil zu, was tage- oder wochenlanges Trocknen zur Folge haben kann und somit ein weiteres Malen am Bild wesentlich erschwert. Hier kommen nur wenige Sorten in Frage.


HINTERGLASBILDER HEUTE

Es gibt heute eine kleine Anzahl Hinterglasmaler, die mit unterschiedlichem Resultat diese Malweise ausüben. Gute Bilder tauchen auch auf, kommen dann aber oft als „alte“ Bilder in den Handel, denn die Nachfrage nach solchen Bildern ist gross, die Preise auch, das nutzen leider talentierte Maler aus.

Die Nachfrage nach modernen Hinterglasbildern mit selbstgewälten Motiven wächst und diese Bilder haben gute Chancen genauso populär zu werden wie vor einigen hundert Jahren.

Also: Warum machen Sie nicht in Zukunft ihre Geschenke selbst, der Textverfasser hilft Ihnen dabei!

Dreifaltigkeit, ca 1760

Heiliger Charalampios Siebenbürger, ca 1870

Anbetung der Hirten, Ende 19. Jahrh.

Hl. Abendmahl, Ende 19. Jahrh.

Kreuzweg-Station, Ende 18. Jahrh.

Hl. St. Georg, Wassily Kandinsky